Redebeitrag zum HAD 2021 von Stefan Lange

Jeder Mensch ist mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet.

Das heißt nicht, dass jeder Mensch gleich ist.

Aber er hat durch den Schöpfungsakt und sein Mensch-sein-an-sich Rechte,
die für ihn als Einzelnen
in einer von Ihm gewählten Gemeinschaft
an einem von Ihm gewählten Ort
garantieren,
dass er unbeschadet leben und teilnehmen darf und kann.

Er hat das Recht an diesem Ort zu verweilen, oder zu gehen.
Er hat das Recht sich einzubringen, oder zu dulden.
Er hat das Recht dort zu protestieren, oder zu schweigen.

Und niemand darf um seiner eigenen Vorteile wegen diese Rechte einschränken.
Und niemand darf die Regeln, Gesetze und Verordnungen für diese Gemeinschaft

auf Grund seiner Macht,
seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder
seiner Aufgabe in unserer Gesellschaft
so gestalten, dass der Einzelne nicht mehr sein kann was er ist:
Ein Individuum mit Würde.

Und wenn wir diese einleitenden Gedanken jetzt herunterbrechen
auf das Wohnen
das Leben
in unseren Städten und Gemeinden
kommen wir unweigerlich zu dem Schluss:

Wohnen ist ein Menschenrecht.

Es stattet uns mit der Sicherheit aus, die wir benötigen um gesund zu bleiben an Körper und Geist.
Es stattet uns mit den Rechten aus, die es uns ermöglichen gestaltend mitzuwirken.
Es stattet uns mit der Gewissheit auf eine Zukunft aus.

Für unsere Liebe und für unsere Sorgen
für unsere Partner und für unsere Kinder
für unsere Freunde und auch unsere Feinde.

Und deswegen ist Wohnen soviel mehr als ein Tisch und ein Bett in einem Raum.
Wohnen bedeutet Würde, die uns durch die Angst vor der Vertreibung genommen wird.

Und wenn man einmal begriffen hat,
dass das Umlauten des Begriffes Wohnung in Immobilie dazu geführt hat,
die Wohnung ohne Menschen, die darin leben, zu denken,
dann begreift man auch, dass man hier ein Menschenrecht veräußert.
Es wird zur Handelsware.

Und wer über einen Gegenwert verfügt, sei es Geld oder Macht oder Gewalt,
der hat die Möglichkeit mit der Würde der Menschen Handel zu treiben
und damit letztendlich mit den Menschenrechten an sich.

Deswegen:
Lasst uns das Leben und die Menschen als Wohnen denken.
Lasst uns das Wohnen als Idee der Daseinsvorsorge in unserer Gesellschaft verankern.

Und gerade deswegen sind Wohnungen
keine Handelsware, weil sie Menschen enthalten.

Es braucht die Abschaffung der rein profitorientierten Wohnungswirtschaft.
Es braucht die Wiedereinführung der Gemeinnützigkeit der Wohnungsbewirtschaftung.
Es braucht die Veränderung der Regeln, Gesetze und Verordnungen für ein

sicheres und würdevolles Wohnen
für jeden, der möchte
für jeden Ort, den er sich wählt

weltweit!

Onlineveranstaltung des linXXnet am 30.03. 19Uhr zu wohnungspolitischen Fragen (während der Pandemie) und Rückblick auf den Housing Action Day

Die Wohnungsfrage ist eine der großen sozialen Frage unserer Zeit. Seit
Jahrzehnten sinkt das Angebot von bezahlbarem Wohnraum. Aus Immobilien
und Grundstücken wird zunehmend Profit geschlagen. Vor allem Menschen
mit geringem Einkommen geraten unter Verdrängungsdruck. In der
Corona-Pandemie zeigt sich so stark wie nie zuvor, dass Wohnen (noch)
kein Grundrecht ist: Mieten werden ungeachtet der Einkommenssituation
eingefordert, teilweise sogar erhöht. Die Immobilienpreise steigen auch
während der Pandemie 2020/2021. Geflüchtete werden zu einem Leben in
beengten Gemeinschaftsunterkünften, Wohnungslose zu einem
illegalisierten Dasein auf der Straße gezwungen. All jene, für die
Wohnen keinen Schutz bedeutet, trifft die Pandemie am härtesten. Die
Gewinner hingegen sind große Wohnungsunternehmen: So steigert etwa
Vonovia seinen operativen Gewinn 2020 um 10,6% auf 1,35 Milliarden Euro.
Zeitgleich fährt der Aktienkonzern seine Investitionen in Instandhaltung
und Modernisierung von Gebäuden zurück, um die Gewinne zu halten.

Seit einigen Jahren formiert sich weltweit Widerstand gegen diese
Entwicklungen. Allein in Leipzig beteiligten sich in in den letzten
Jahren tausende Menschen an Demonstrationen, die von einem breiten
Bündnis wohnungspolitischer Gruppen organisiert wurde. Und auch in
diesem Jahr finden am und um den “Housing Action Day” am 27.03. Aktionen
deutschland- und europaweit statt.

Die Veranstaltung „Wer zu Hause bleiben soll, braucht eine Wohnung:
Wohnen und Mieten in der Pandemie“ versteht sich als Beitrag zum Housing
Action Day. Gemeinsam beleuchten wir die aktuelle Situation und die
Probleme vor denen Mieter*innen und Menschen, die gar keine Wohnung
haben, bundesweit und hier in Leipzig zur Zeit stehen. Wir fragen, was
nun nötig und möglich ist, um ein Wohnen für alle zu ermöglichen und
gehen damit mit der Veranstaltungsreihe „Klardenken!“ in eine neue
Runde. Moderiert von Elisa Gerbsch (Stadtforscherin und Mietaktivistin)
diskutieren am 30.03. ab 19Uhr:

Carsten Möller (LWB-Mieter*innen aus dem Musikviertel)
Barbara Heinz (Wohnungslosenhilfe – SAFE)
Armin Kuhn (wohnungspolitischer Referent der Linksfraktion im Bundestag)
Jule Nagel (Landtagsabgeordnete und Stadträtin in Leipzig)

Die Teilnahme ist über den Webbrowser hier möglich:
https://bbb.linxx.net/b/dir-dp0-aix-nes

Weitere Details gibt es auf Faceboock:
https://www.facebook.com/events/537865907218918/

HAD 27. März 2021

Am Neustädter Markt im Leipziger Osten kamen gestern am europaweiten Housing Action Day ca. 120 Menschen mit pandemiebedingtem Abstand zusammen, um gemeinsam für eine Stadt für Alle und ein Recht auf Wohnen zu demonstrieren.

Zu hören waren der Aufruf zum HousingAction Day vieler Leipziger Mieteninitiativen und zahlreiche Redebeiträge von
Tobias vom PögeHaus e.V.,
Lina vom Netzwerk Leipzig – Stadt für alle,
Erik vom Bürgerverein Neustädter Markt,
Stefan von Leipzig für Alle: Aktionsbündnis Wohnen,
Alex von der Bürgerinitiative Deutsche Wohnen & Co enteignen.

Einige der Redebeiträge könnt ihr bald auf unserem Blog nachlesen.

Vielen Dank an alle Mitwirkenden!

Wie viel muss ich wo zahlen – eine interaktive Karte

Die LVZ hat euch eine Karte gebastelt, in der ihr recht genau sehen könnt, wo sich mit niedrigen Einkommen noch eine Wohnung finden lässt. https://geomap.immo/iframe-lvz-mieteeink/# Schaut selbst und kommt dann 14 Uhr vorbei zu den Aktionen zum Housing Action Day:

– 11 bis 16 Uhr nahe der Karl-Tauchnitz-Straße 15 (Mitte)
– 14 bis 15 Uhr Neustädter Markt (Ost)
– 14 bis 15 Uhr Am Adler (West)
– 14 bis 16 Uhr Connewitzer Kreuz (Süd)

Besser Wohnen Radio am 27.3.2021, 16-17 Uhr auf Radio Blau

In jedem Land ist die Situation ein bisschen anders. Aber überall in Europa gibt es die gleichen Probleme mit steigenden Mieten, Vedrängung und der Umwandlung von Wohnungen in Profitmaschinen. Die großen Wohnungsunternehmen sind in der Regel Aktiengesellschaften und transnational organisiert. Darin sind sie den Mieterinnen und Mietern voraus. Es wird Zeit, das zu ändern! Je mehr Menschen sich über Grenzen hinweg für eine gemeinwohlorientierte Wohnraumversorgung und Stadtentwicklung einsetzen, desto größer die Chance auf Erfolg! Deshalb gibt es seit einigen Jahren den Europäischen Aktionstag für bezahlbares Wohnen. Er findet Ende März statt, weil dann in vielen Ländern die Winterpause für Zwangsräumungen endet und Mieter*innen, die nicht zahlen können oder denen gekündigt wurde, auf die Straße gesetzt werden. Dieses Jahr ist der Aktionstag am 27. März. In der Radiosendung machen wir eine Reise in verschiedene deutsche Städte und berichten von der Situation vor Ort und den Kämpfen für eine Stadt für Alle.

Besser Wohnen Radio: 27.3. um 16 bis 17 Uhr bei Radio Blau auf den Frequenzen 99,2 MHz, 94,4 MHz und 89,2 MHz und im Internet: http://stream.radioblau.de/

Wohnen für Menschen – statt für Profite!
Housing for people – not for profit!
Du logement pour les gens – pas pour le profit!
Viviendas para las personas, no para el beneficio!

Mieterbund und Mieterverein unterstützen die Aufrufe zum europaweiten Housing Action Day am 27. März

Pressemitteilung am 26. März 2021

Zum morgigen Samstag wird in 25 deutschen Städten von Vereinen und Initiativen zu Aktionen am europäischen „Housing Action Day“ aufgerufen. Den Forderungen für ein sicheres und bezahlbares Wohnen haben sich auch der Mieterverein Leipzig sowie der Dachverband Deutscher Mieterbund angeschlossen.

Maria Kantak von „Leipzig für Alle: Aktionsbündnis Wohnen“ betont: „Wir freuen uns sehr, dass auch gestandene Organisationen wie der Mieterverein Leipzig e. V. sowie der Bundesverband die Aufrufe unterstützen. Die politischen Instrumente wie Milieuschutz, gemeinnütziger Wohnungsbau oder Mietpreisbremse werden immer noch zu zaghaft umgesetzt. Vereine und stadtpolitische Initiativen können gemeinsam einen Druck auf die Politik aufbauen, um sozial und ökologisch lebendige Städte und Gemeinden zu gestalten – frei von Wohnungslosigkeit und Diskriminierung.“

Europaweit haben über 70 Städte ihre Aktionen unter dem Motto „Housing for people – not for profit!“ koordiniert: Aachen, Angers, Athen, Belgrad, Bergerac, Berlin, Bochum, Bordeaux, Bourg-en-Bresse, Braunschweig, Brüssels, Bukarest, Cannes, Clermont-Ferrand, Cluj-Napoca, Darmstadt, Den Haag, Dublin, Düsseldorf, Elbeuf, Frankfurt am Main, Freiburg im Breisgau, Göttingen, Grenoble, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Lille, Limoges, Lissabon, Löbtau, Ludwigshafen am Rhein, Luxemburg, Lyon, Mailand, Mannheim, Marburg, Marseille, Melun, Messina, Mulhouse, München, Nancy, Nantes, Nicosia, Nîmes, Nizza, Nürnberg, Orléans, Paris, Parma, Perpignan, Poitiers, Potsdam, Poznań, Prag, Regensburg, Rennes, Reutlingen, Rom, Rouen, Saint-Denis, Saint-Nazaire, Sète, Stuttgart, Toulon, Toulouse, Tübingen und Witten.

In Leipzig finden neben dezentralen Aktionen Kundgebungen statt:

  • 11 bis 16 Uhr nahe der Karl-Tauchnitz-Str. 15 (Mitte)
  • 14 bis 15 Uhr Neustädter Markt (Ost)
  • 14 bis 15 Uhr Am Adler (West)
  • 14 bis 16 Uhr Connewitzer Kreuz (Süd)

Die Mietergemeinschaft Schönefelder Höfe produziert per „Radio Blau“ (UKW: 99,2 MHz) von 16 bis 17 Uhr die Radiosendung „Besser Wohnen Radio“.

Den Hauptforderungen des bundesweiten Zusammenschlusses

1) Wohnungen für alle!

2) Mietschulden erlassen!

3) Mieten senken – Gewinne umverteilen!

4) Bodenspekulation beenden – Wohnungskonzerne vergesellschaften!

haben die zusammengeschlossenen Leipziger Initiativen einen eigenen Aufruf vorangestellt, der neben dem Aktionsbündnis Wohnen unterzeichnet wurde von Vernetzung Süd, Solidaritätsnetzwerk Leipzig, Netzwerk Leipzig Stadt – für alle, Mietsprechstunde – Für das Politische!, Wolle43 e.V., Nachbarschaftsinitiative Musikviertel, linXXnet-Kollektiv, Mietergemeinschaft EinHaus Reichpietschstraße 13 eG, Mieter*innen der Campingstreet, Teams “Konsum” und “Wohnen” der “Safe-Straßensozialarbeit für Erwachsene”, Team Hilfebus der “Safe-Straßensozialarbeit für Erwachsene”, Hausprojekt Klinge10, Direct Support Leipzig, Lixer e.V. – Stadtteilverein in Zschocher, Andreas Dohrn, DGB Hochschulgruppe, GS1

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter https://www.housing-action-day.net/ oder

https://leipzigfueralle.de/

https://facebook.com/leipzigfueralle/

https://instagram.com/leipzigfueralle/

Leipziger Modellprojekt “Eigene Wohnung”

In Leipzig soll das Konzept Housing First in einem Modellprojekt umgesetzt werden, denn Wohnen ist Menschenrecht! Das Konzept soll #wohnungslose Menschen zuallererst in eine eigene Wohnung bringen und zeigt z.B. in Finnland seit Jahren anhaltende Erfolge. Auch dafür steht der Housing Action Day am 27.3.2021.

Mehr dazu könnt ihr in der Pressemitteiung vom Leipziger Dezernat Soziales, Gesundheit und Vielfalt lesen

In Sachsen steigen die Mieten

Die Sächsische Zeitung berichtet davon, wie drastisch die #Mieten in Sachsen in den vergangenen zehn Jahren gestiegen sind. Am stärksten zog der Mietpreis in Leipzig an: von 5,03€ im Jahr 2011 auf 7,17€ 2020 (nettokalt).

Daher kommt zum #HousingActionDay zu einer der drei Kundgebungen #le2703:

14 Uhr Neustädter Markt
14 Uhr Connewitzer Kreuz
14 Uhr Adler