Programm der Leipziger Housing Action Days 2026

Ein breites Bündnis aus rund 30 stadt- und mietenpolitischen Gruppen und Projekten beteiligt sich in Leipzig unter dem Motto „Gemeinsam für faire Mieten und gutes Wohnen“ an den global stattfindenden Housing Action Days und hat ein tolles Programm auf die Beine gestellt: Euch erwarten Filmabende, Workshops, Rundgänge, Infoveranstaltungen, Vorträge, Essen für Alle, Begegnungsmöglichkeiten und eine Ausstellung! Es geht um Themen wie Mietkämpfe, Verdrängung, Wohnungslosigkeit, selbstbestimmtes Wohnen, solidarische Unterstützung, Stadtgeschichte und vieles mehr. Das Programm beginnt in Leipzig mit einer Aufwärmphase vom 12.-19. März. Am Montag, den 23. März, 15-18 Uhr wird mit einer Auftaktkundgebung auf dem Marktplatz die globale Aktionswoche in Leipzig eingeläutet.

Die Housing Action Days sind weltweite Aktionstage, zu denen die European Action Coalition for the Right to Housing and the City jedes Frühjahr aufruft. Die Umsetzung vor Ort können Aktive mit dem jeweiligen Fokus auf die lokalen Probleme und Alternativen ausgestalten. Die weltweiten Aktionen zeigen, dass wir uns überall für das Recht auf Wohnen uns zusammen tun müssen, um es einzufordern und zu verteidigen.

Wir wollen nicht nur an Politik und Wirtschaft appellieren. Wir wollen dem Spuk der Vermieter und der Wohnungsmisere entschlossen etwas entgegensetzen. Deswegen stehen wir ganz praktisch an der Seite von Mieterinnen und Mietern, die 87% der Leipziger*innen ausmachen. Wir versuchen solidarische Nachbarschaften mit aufzubauen und wollen mit den Housing Actions Days Menschen zusammenbringen und Verbindungen aufbauen, so dass wirkliche Lösungen erkennbar werden und niemand allein bleibt!
Ihr seid herzlich eingeladen vorbeizukommen und dabei zu sein, euch auszustauschen und zu vernetzen!
Folgt uns gerne auf unserem Insta-Kanal und/oder Info-Kanal auf Telegram, wenn ihr auch über andere stadtpolitische Veranstaltungen informiert bleiben wollt

Euer Leipzig für Alle: Aktionsbündnis Wohnen

Die an den Leipziger Housing Action Days beteiligten Gruppen sind dieses Jahr (in alphabetischer Reihenfolge): 180° Wärmewende, CG Enteignen!, DGB Leipzig-Nordsachsen (Danke für die Unterstützung!), Die Linke (Mietenkampagne, AG Stadtentwicklung, BO Grüner Bogen), frauguste, Handstand & Moral, Haus im Fluss, IL Leipzig, INTERIM by linXXnet, Karl Helga-Wagenplatz, Kiezvernetzung West, Klinge10, Kontaktstelle Wohnen, Krikkel, L’Annares, Mietergemeinschaft Gohlis, Miethäusersyndikat, A. Naundorf, NordWest Stern, Peer-Gruppe Leipzig, Richterstraße 4/6, SAFE Straßensozialarbeit für Erwachsene, Solidarische Wohngenossenschaft (SoWo eG), SoliNord, Soziale Wärmewende, United Capitulation, Vernetzung Süd, Wolle43 sowie vielen weiteren Unterstützer*innen und Mitdenker*innen.

Infostände und Redebeiträge verschiedener Recht-auf-Stadt-Initiativen, Demochor, mobile Mietsprechstunde
Ort: Marktplatz (Mitte)

Demo: Gruseligen Vermietern das Fürchten lehren

Halloween steht vor der Tür und während ihr euch vielleicht fragt, wem
ihr an diesem Abend einen Schreck einjagen wollt und welches Kostüm ihr
dafür braucht, machen andere das ganzjährig als Beruf.

Sven Schwarzat und Kevin Rader haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre
Mieter:innen 365 Tage im Jahr zu drangsalieren. Ganz ohne Verkleidung
und Kürbisschnitzen, dafür gibt’s:

  1. Kautionen, die nach dem Auszug einfach nicht zurückgezahlt werden
  2. penetrantes Vortäuschen von vermeintlichem Eigenbedarf
  3. den Umbau von Wohnungen hin zu möglichst vielen, kleinen,
    überteuerten Zimmern, die an Menschen vermietet werden, die auf dem
    beschissenen Leipziger Wohnungsmarkt keine andere Wahl mehr haben

Wir finden: wer so schauerlich mit dem Wohnraum anderer umgeht, hat kein
Recht, Häuser zu besitzen. Wir wollen, dass sich die Versorgung mit
Wohnraum strikt an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, nicht am
Profitinteresse von windigen Miethaien.

Glücklicherweise ist dort, wo sich Scheußlichkeiten ereignen, auch
Widerstand dagegen nicht weit. Auch im Falle Kevin Rader und Sven
Schwarzat (United Capital Konglomerat) lassen wir nicht locker. Seid
dabei, bringt eure gruseligste Verkleidung und kommt mit uns zu einem
ehemaligen Sitz einer der Firmen, mit denen die beiden ihr
Gruselkabinett steuern.

Treffpunkt ist am 31.10.2025 um 17.00 Uhr am Nikischplatz.

Auch Mieter:innen anderer Vermieter:innen sind herzlich eingeladen,
teilzunehmen und sich mit uns zu vernetzen, damit noch mehr
Vermieter:innen das Gruseln gelehrt wird!

Süßes gibt’s nicht, nur Saures!

Broschüre: „Stadt für Alle! Strategien der Aneignung stadtpolitischer Prozesse in Leipzig“

Ulrike Uhlig und Matilda Oeken haben für ihre Broschüre in 14 Interviews mit ausgewählten zivilgesellschaftlichen Akteur:innen des Leipziger Westens und Ostens über ihre Erfahrungen mit der Teilhabe an Prozessen der Stadtpolitik gesprochen.

Damit machen sie eine Bestandsaufnahme dessen, was gegenwärtig als problematisch in der wachsenden Stadt wahrgenommen wird. Welche Konflikte gibt es zwischen Einwohner:innen und Stadtentwicklung? Welche Erfahrungen und Befürchtungen haben die Menschen im Leipziger Westen in Bezug auf Stadtentwicklung und klimatische Veränderungen? Wie sieht ein lebenswerter Leipziger Westen für sie aus?

Die Interviews mit den verschiedenen Gruppen und Initiativen wurden im November 2024 geführt und stellen damit den Stand der Entwicklungen zu diesem Zeitpunkt dar.

Darüber hinaus findet sich ein Kapitel zu dem Erleben des Gefühls Solastalgie und eine kurze Anleitung zur Gründung einer Bürgerinitiative und weitere Möglichkeiten der stadtpolitischen Teilhabe.

Ansehen und herunterladen könnt ihr die Broschüre hier.

Housing Action Days in Leipzig vom 2. bis 7. April 2024

An vielen Orten der Stadt werden Initiativen, Bündnisse und Mieter*innen auf ihre Forderungen nach bezahlbarem Wohnen, nach Freiräumen und solidarischen Nachbar*innenschaften aufmerksam machen.

Die HOUSING ACTION DAYS sind europaweite Aktionstage für das Recht auf Wohnen und auf Stadt, initiiert von der European Action Coalition.

Hier findet Ihr eine europweite Online-Karte mit einer Übersicht der geplanten Aktionen zun den Housing Action Days. Dort sind auch alle Leipziger Veranstaltungen eingetragen.

Sie finden seit einigen Jahren in Deutschland und auch in Leipzig statt. In diesem Jahr haben sich verschiedene wohnungs- und mietenpolitische Initiativen, Hausgemeinschaften, Ladenprojekte und Stadtteilinitiativen in Leipzig vernetzt und bieten ein buntes Programm an. Schwerpunkte sind der Leipziger Osten, Süden und Westen.

Fragen, Mitmachen & Unterstützen? – Kontaktiert: leipzigfueralle@posteo.de

Programm vom 02.-07.04.2024

Dienstag, 2. April 2024

19:00 -23:00 Uhr

Auftaktveranstaltung zu den Leipziger Housing Action Days: Filmabend mit anschl. Gespräch zu Leipziger Stadtteilinitiativen und Möglichkeiten der Mieter*innenorganisation (Einlass: 19 Uhr, Film: 19:30 Uhr, Gespräch: 21 Uhr)

Ort: Eisenbahnstraße 97 (Volkmarsdorf)

Orga: Con Han Hop sowie Initiativen aus Westen, Süden, Osten Leipzigs

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Mittwoch, 3. April 2024

ab 17:00 Uhr

Filmabend mit Küfa zum Thema Wohnen für alle

Ort: Seumestraße 30 (Knautkleeberg) (Die Veranstaltung ist bedingt barrierefrei (Bei Regen gibt es eine Stufe zum Indoorbereich. Die Toilette ist nur über 3 Stufen erreichbar.)

Orga: L’Anarres e.V./Verein für kollektive Wohnformen

www.seume30.org

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Donnerstag, 4. April 2024

14:30 – 17:30 Uhr

KAFFEEklatsch & MIETtratsch. Offenes kostenloses Nachbarschaftscafé zum Thema Mieten im Viertel. Keine Rechtsberatung dafür gemütlicher Nachmittag zum gemeinsamen Aufregen, mitfühlsamen Zuhören & Kraft tanken. Mit Kaffee, Tee, Kuchen, Infomaterial, Adressentipps & netten Leuten.

Ort: Eisenbahnstraße 150 (Volkmarsdorf)

18:00 -21:00 Uhr

Podiumsdiskussion: „Subkultur braucht Schutz: Wie stoppen wir die Verdrängung unserer Ladenprojekte?“

Ort: Ost-Passage Theater (Konradstraße 27, Neustadt-Neuschönefeld)

Orga: Die Linke Leipzig Ost/Nordost sowie E97/Con Han Hop, KIGE, Erythrosin, Lauter Läden, Das Japanische Haus

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Freitag, 5.April 2024

18:00 – 19:00 Uhr

Film und Diskussion mit der H48 aus Berlin (https://www.h48bleibt.org/)

Ort: Wasserschaden (W2) (Volkmarsdorf)

Orga: Wasserschaden

19:00 – 23:00 Uhr

Vernetzungstresen von Projekten und Interessierten im Leipziger Osten + KüfA

Ort: Wasserschaden (W2) (Volkmarsdorf)

Orga: Wasserschaden

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Samstag, 6. April 2024

13:00 – 22:00 Uhr

Restefest in der Verschenkekiste

Der Umsonstladen wird verdrängt und muss ausziehen. Heute öffnet er zum letzten Mal seine Türen für euch.

Ort: Verschenkekiste e.V. (Eisenbahnstraße 109)

Orga: verschenkekiste.de

15:00 – 16:00 Uhr

Rundgang „Ein Park für uns – warum ein unbebauter Plagwitzer Bahnhof besser ist!“

Auf dem Bahnhof selbst will eine private Investorin bauen, nördlich davon baut ein weiterer Investor außerdem ein Hotel, möblierte Apartments und ein Parkhaus. Wir stellen den Stand der Dinge vor und diskutieren darüber, warum Luxuswohnungen, selbst mit einem kleinen Anteil an geförderten Wohnungen das Wohnungsproblem in Leipzig nicht lösen, sondern zu mehr Gentrifizierung beitragen.

Treffpunkt: Plagwitzer Bahnhof, vor dem Heiter bis Wolkig

Orga: Bürgerinitiative Bürgerbahnhof Plagwitz erhalten

www.bahnhof-plagwitz.de

16:00 – 20:00 Uhr

Kuchen, Küfa und Kultur – Lernt unsere Hausprojektstraße kennen!

Ort: Zollschuppenstraße (Plagwitz)

Orga: Zolle 7 e.V.

www.zolle7.de

16:00 – 19:00 Uhr

Solidarisch mit Drinks und Snacks für den Polylux e. V.

Das Hausprojekt Klinge10 stellt sich vor und versorgt euch mit Sekt, Smoothies und Waffeln. Alle Einnahmen werden an das Netzwerk Polylux e.V. gespendet.

Ort: Ecke Markranstädterstr./Klingenstr.

Orga: Klinge10
https://klinge10.de/

17:00 – 19:00 Uhr

Grillen und Getränke – mit uns aus der E113. Kommt gern mit Kindern vorbei!

Ort: Eisenbahnstr. 113 (Volkmarsdorf)

Orga: E113 (ein Haus der SoWo Leipzig Genossenschaft)

sowo-eg.org

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Sonntag, 7. April 2024

12:00 – 16:00 Uhr

Solidarische Nachbarschaftsbefragung zum Stadtteil und Wohnen

Ort: Merseburgerstr./Karl-Heine-Str. (Lindenau)

Orga: Kiezvernetzung West

Online: https://kieverwest.noblogs.org

12:00 – 16:00 Uhr

Infostand, kleiner Hausflohmarkt, Kaffee und Überraschungen

Ort: Fichtestr/Nähe Kochstr. (Südvorstadt)

Orga: Mieter*innengemeinschaft

12:00 – 18:00 Uhr

BINGO Brunch im Atari

Im Rahmen der Housing Action Days und als Einstimmung auf den
diesjährigen Atari Geburtstag, der am 25.Mai gefeiert wird, gibts am
Sonntag den 7.4. einen BINGO Brunch.
Um 12 gehts los mit Food, Berliner Weiße, Mimosas und anderen Drinx.
Ab 13 Uhr wird gezockt um nice Preise!
Also heißt es: Vorbeikommen und absahnen!

Und wenn ihr helfen wollt, dass das Atari wieder mehr belebt wird und
noch viele Jahre erhalten bleibt, kommt vorbei sprecht uns an und bringt
euch ein! d.i.y. means do it together.

Ort: Atari (Kippenbergstr. 20)

Orga: Atari

13:00 – 15:00 Uhr

AWC-Infostand

Ort: Wolfgang-Heinze-Str. 22 (Connewitz)

Orga: Alternative Wohngenossenschaft Connewitz eG

13:00-16:00 Uhr

Unsere Thiere unser Bach, alle bleiben unter’m Dach! – Ausstellung/Kurzvortrag/Hausspaziergang

Ort: Thierbacherstraße 6 (Connewitz)

Orga: T6

13:00 – 16:00 Uhr

Infostand: Wie kann ich wohnungspolitisch aktiv werden? Einladung zum Mitmachen/Kennenlernen

Ort: Connewitzer Kreuz

Orga: Stadtteilinitiative Vernetzung Süd

https://vernetzungsued.de/

13:00 – 16:00 Uhr

Sekt, Popcorn, Infostand

Ort: Wolfgang-Heinze-Str. 43 (Connewitz)

Orga: Wolle 43 e.V. – Verein für kollektive Wohnformen

https://wolle43.home.blog/

13:30 – 16:00 Uhr

Kritischer Rundgang zu Verdrängung von Mieter:innen und Bleibestrategien

Route: Von Torgauer Platz (an der Rundbank) bis Rabet-Park (Abschlusskundgebung)

Orga: verschiedene Recht-auf-Stadt-Gruppen und Initiativen

14:00 – 15:00 Uhr

Solidarischer Neubau mit Kantine im Herzen von Connewitz: Die Genossenschaft Leika plant einen solidarischen Neubau mit 36 Wohnungen und einer Kantine im Herzen von Connewitz. Modell-Ausstellung, Film und Q & A mit Vertreterinnen der Gruppe und dem Architekten auf dem zukünftigen Grundstück.

Ort: Wolfgang-Heinze-Str. 29 (Connewitz)

Orga: LEIKA (Leipziger Wohnungsgenossenschaft Leika eG)

leika-leipzig.org

14:00 – 17:00 Uhr

„Südvorstadt für alle“: Kaffee, Kuchen, Hofaktionen, Haustouren und Infos zur Kampagne für ein sozial und ökologisch nachhaltiges Sanierungsmodellprojekt im kommunalen Bestand

Wir wollen mit Euch die Kampagne „Südvorstadt für alle“ feiern, die mittlerweile 1 Jahr alt wird – und schauen wie es weitergehn kann. Wir  haben in diesem Jahr einiges erreicht (mehr Öffentlichkeit, Ratsbeschluss), aber auch ein paar Niederlagen einstecken müssen (Kochstr. 13/15 fällt raus, intransparentes Umsetzungskonzept). Nichts geht jedoch ohne die Unterstützung der Nachbarschaft – auch weil wir ein Thema berühren, das grundlegend in ganz Europa weiter brisant sein wird: Ökologisch notwendige Sanierungen ohne Verdrängung zu bewerkstelligen! Um mit Euch ins Gespräch zu kommen und nachbarschaftlich sich zu verknüpfen, haben wir folgendes geplant:

– Führungen durch’s Haus

– Redebeitrag zu Modellprojekt und Kampagne

– Drei Stücke für Solovioline mit Irina Zwiener (u.a. bei MDR Sinfonieorchester)

– Plakat für Dich – „Südvorstadt für alle“: Wählt Euch 1-4 der schicken Motive aus, für ein Recht auf Stadt in Euren vier Wänden!

– Infomaterial 

– Tischtennis

– Kuchen, Kaffee und Essen aus dem Wok

Ort: Kochstr. 59-63 (im offenen Hinterhof) (Südvorstadt)

Orga: Südvorstadt für alle – 105 LWB-Wohnungen sozial-ökologisch sanieren!

http://vernetzungsued.de/suedvorstadt-fuer-alle/

16:00 – 19:00 Uhr

Abschlusskundgebung Housing Action Days 2024 – mit Redebeiträgen, Riesenjenga, Infoständen sowie Kinderschminken, Snacks und vielem mehr

Ort: Rabet-Park (Neustadt-Neuschönefeld)

Orga: verschiedene Leipziger Recht-auf-Stadt-Initativen

Gerichtsverhandlung 17.05.2022 – Mieterhöhungsverlangen in der Kantstr. 55-63

+++ Wenn die ortsübliche Vergleichsmiete laut Leipziger Mietspiegel bei einer jahrelang unsanierten Wohnung mit Ofenheizung nicht greift +++

Die Vernetzung Süd hat einen Bericht zur Gerichtsverhandlung über das Mieterhöhungsverlangen gegenüber Mieter*inen in der Kantstr. 55-63 geschrieben. Nachlesen könnt ihr diesen hier.

Die zweite Gerichtsverhandlung, in der auch eine Entscheidung in dieser Sache gefällt wird, findet am 14.06.2022 statt.

Fest der Nachbarschaften 25.9.2021

Initiativen für bezahlbares Wohnen vernetzen sich

Am 25. September veranstalten verschiedene wohnungspolitische Initiativen aus Leipzig erstmalig das Fest der Nachbarschaften. Es findet zwischen 14 und 18 Uhr auf dem Alexis-Schumann-Platz in der Südvorstadt statt. Das Fest ist eine Anlaufstelle für Mieter*innen, die sich mit ihrer bedrängten Wohnsituation nicht länger abfinden wollen und nach Austausch und Vernetzung suchen. Es ist darüber hinaus ein Signal an Immobilienwirtschaft und Politik, dass eine grundsätzliche Wende in der Wohnraumversorgung notwendig ist.

Wie in anderen Großstädten spitzt sich auch in Leipzig die Lage am Wohnungsmarkt zu. Das fängt bei der Miete an, die regelmäßig erhöht wird, ohne dass sich die Wohnqualität verbessert. Es geht weiter mit der Mietbelastungsquote, die im Durchschnitt bei 30 % und bei unteren Einkommensgruppen bis zu 46 % beträgt. Es endet bei der Verdrängung von Mieter*innen aus den Quartieren, die in wenigen Fällen öffentlich wird, häufig aber unsichtbar bleibt, wie bei den vielen Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen. Zum Auszug getrieben, finden die Betroffenen in ihren Wohngegenden keine bezahlbaren Angebote. Es wird zu wenig gebaut und zu teuer. Selbst öffentlich geförderte Wohnungen sind mit einer Miete von 6,50 € und einer 15-jährigen Belegungsbindung keine Alternative, zumal sie ohnehin nur für jene infrage kommen, die sich am Markt nicht selbst versorgen können, mit Wohnen als öffentliches Gut aber nichts zu tun haben. Wohnungskonzerne wie Vonovia und Deutsche Wohnen gewinnen immer mehr Einfluss. An den Kapitalmärkten sind sie auf die Steigerung der Dividende angewiesen; Leidtragende sind die Mieter*innen. Aber auch kommunale Eigentümer sind nicht in jedem Fall gemeinwohlorientierte Unternehmen, wie die LWB bewiesen hat als sie während der Pandemie die Mieten im Musikviertel erhöhte.

Diese Entwicklung wird politisch nur zaghaft gebremst. Eine echte Trendwende für eine marktferne Wohnraumversorgung ist nicht erkennbar. Das wirft die Frage nach Demokratie auf: Wer entscheidet eigentlich darüber, was in der Stadt passiert? Wie werden die Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Menschen, die hier wohnen politisch abgebildet? Mit dem Fest der Nachbarschaften, in dessen Zentrum eine offene Versammlung von Mieter*innen steht, soll eine Debatte darüber angestoßen werden, wie wir in der Stadt gemeinsam leben wollen und wie wir unseren Vorstellungen Kraft verleihen können.

Über die Veranstalter
Das Fest der Nachbarschaften wird von verschiedenen Leipziger Initiativen ausgerichtet, die sich für eine soziale Wohnraumversorgung und eine gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft einsetzen. Wir beraten Mieter*innen, organisieren Protest, entwickeln politische Forderungen und machen Vorschläge für eine alternative Wohnungspolitik.

Die beteiligten Initiativen sind:
IG Kantstraße
Leipzig für alle: Aktionsbündnis Wohnen
Mietergemeinschaft Schönefelder Höfe
Nachbarschaftsinitiative Musikviertel
Netzwerk – Leipzig Stadt für alle
Solidaritätsnetzwerk Leipzig
Vernetzung Süd – Stadtteilinitiative aus Connewitz & Südvorstadt
Wohnprojekt Thierbacher Straße 6

Filmvorführung 22.05.21

Samstag gibt es 19.30 Uhr in der Holteistr. Ecke Georg-Schwarz-Str. 10 eine Filmvorführung. Gezeigt wird „Push – für das Grundrecht auf Wohnen“, organisiert von den Leuten der Georg-Schwarz-Str. 10. Der Film soll gut sein!
Danach soll es eine Diskussionsrunde geben (wenn Interesse besteht).

Aus der Ankündigung:

Wie sicherlich einige von euch mitbekommen haben wurde vor einigen Wochen der hart erkämpfte Mietendeckel für Berlin durch das Bundesverfassungsgericht gekippt. Mieten steigen, Löhne nicht. Das heißt für viele Menschen Angst vor Schulden, Angst vor Verdrängung und Angst vor Zwangsräumung.
Nicht nur der Wohnraum, auch Buchläden, Kiezkneipen, alternative Zentren, Cafés und Jugendzentren fallen der reinen Profitsteigerung zum Opfer. Sie werden gekündigt und geräumt. Aktuelle traurige Beispiele sind nicht zuletzt die Potse und Köpi in Berlin sondern auch das P31 in Nürnberg.

Wir wollen informieren und mit Hilfe eines Dokumentationsfilms und einer Diskussionsrunde auf Gentrifizierung aufmerksam machen, zum Nachdenken anregen, und uns natürlich solidarisieren.

Die Veranstaltung findet draußen statt, ist aber Regen geschützt.
Bitte tragt Masken und haltet euch an die Abstandsregelungen.

Mehr Infos findet ihr hier:
https://www.facebook.com/events/4113800835362501/

Offener Brief der IG Kantstraße an die Stadt Leipzig (April 2021)

In einem Offenen Brief wendet sich die IG Kantstraße an Oberbürgermeister Jung und Baubürgermeister Dienberg.
Sie fordern beide auf, mit ihnen in einen direkten Dialog zu treten und die Häuser der Kantstraße 55/57 durch die LWB oder die Stadt Leipzig zur Nutzung für die verbliebenen Mieterinnen zurück zu kaufen. Des weiteren fordern sie Investorinnen, wie GRK Holding, Instone Real Estate und Campus Altbausanierung GmbH, wirksam in die Pflicht zu nehmen, eine Stadtpolitik zu schaffen, die
endlich das Ziel von sozialer Gerechtigkeit für alle Mieter*innen in den Mittelpunkt stellt und Wohnraum und Bauland nachhaltig der Spekulation entzieht.

In der Leipziger Zeitung könnt ihr den Brief online nachlesen.

Kantsraße 55-57 (André L. CC BY 3.0)

Redebeitrag zum HAD 2021 von Stefan Lange

Jeder Mensch ist mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet.

Das heißt nicht, dass jeder Mensch gleich ist.

Aber er hat durch den Schöpfungsakt und sein Mensch-sein-an-sich Rechte,
die für ihn als Einzelnen
in einer von Ihm gewählten Gemeinschaft
an einem von Ihm gewählten Ort
garantieren,
dass er unbeschadet leben und teilnehmen darf und kann.

Er hat das Recht an diesem Ort zu verweilen, oder zu gehen.
Er hat das Recht sich einzubringen, oder zu dulden.
Er hat das Recht dort zu protestieren, oder zu schweigen.

Und niemand darf um seiner eigenen Vorteile wegen diese Rechte einschränken.
Und niemand darf die Regeln, Gesetze und Verordnungen für diese Gemeinschaft

auf Grund seiner Macht,
seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder
seiner Aufgabe in unserer Gesellschaft
so gestalten, dass der Einzelne nicht mehr sein kann was er ist:
Ein Individuum mit Würde.

Und wenn wir diese einleitenden Gedanken jetzt herunterbrechen
auf das Wohnen
das Leben
in unseren Städten und Gemeinden
kommen wir unweigerlich zu dem Schluss:

Wohnen ist ein Menschenrecht.

Es stattet uns mit der Sicherheit aus, die wir benötigen um gesund zu bleiben an Körper und Geist.
Es stattet uns mit den Rechten aus, die es uns ermöglichen gestaltend mitzuwirken.
Es stattet uns mit der Gewissheit auf eine Zukunft aus.

Für unsere Liebe und für unsere Sorgen
für unsere Partner und für unsere Kinder
für unsere Freunde und auch unsere Feinde.

Und deswegen ist Wohnen soviel mehr als ein Tisch und ein Bett in einem Raum.
Wohnen bedeutet Würde, die uns durch die Angst vor der Vertreibung genommen wird.

Und wenn man einmal begriffen hat,
dass das Umlauten des Begriffes Wohnung in Immobilie dazu geführt hat,
die Wohnung ohne Menschen, die darin leben, zu denken,
dann begreift man auch, dass man hier ein Menschenrecht veräußert.
Es wird zur Handelsware.

Und wer über einen Gegenwert verfügt, sei es Geld oder Macht oder Gewalt,
der hat die Möglichkeit mit der Würde der Menschen Handel zu treiben
und damit letztendlich mit den Menschenrechten an sich.

Deswegen:
Lasst uns das Leben und die Menschen als Wohnen denken.
Lasst uns das Wohnen als Idee der Daseinsvorsorge in unserer Gesellschaft verankern.

Und gerade deswegen sind Wohnungen
keine Handelsware, weil sie Menschen enthalten.

Es braucht die Abschaffung der rein profitorientierten Wohnungswirtschaft.
Es braucht die Wiedereinführung der Gemeinnützigkeit der Wohnungsbewirtschaftung.
Es braucht die Veränderung der Regeln, Gesetze und Verordnungen für ein

sicheres und würdevolles Wohnen
für jeden, der möchte
für jeden Ort, den er sich wählt

weltweit!