Redebeitrag der AWO zur Mietenwahnsinn-Demo am 6.4.2019

Mein Name ist Adrienne Krappidel. Ich arbeite bei der Arbeiterwohlfahrt, der
 AWO.

Wenn es um explodierende Mieten geht, wird oft von Studenten oder Familien 
gesprochen, die mit den Mietpreisentwicklungen nicht mehr Schritt halten 
können
Aber mindestens genauso stark von dem Problem betroffen sind Seniorinnen
und Senioren. Für sie möchte ich heute und hier meine Stimme erheben.

Dies kann ich aus zwei Gründen:
Erstens, weil ich täglich mit hilfebedürftigen Menschen zu tun habe, um die wir 
uns als AWO kümmern. Im Bereich der Pflege sind das viele ältere Menschen.

Und zweitens, weil ich in meiner eigenen Biografie erfahren habe, was Woh-
nung – insbesondere für ältere Menschen – bedeutet.

Als ich vor 10 Jahren die Wohnung meiner Großmutter ausräumen musste, 
wurde mir diese Bedeutung schlagartig klar:

WOHNUNG, das sind Namensschild, Tür und Schlüssel. 
WOHNUNG, das sind Düfte, Farben und Erinnerungen an der Wand.
WOHNUNG, das sind Fenster, Nachbarn und Geschichten.
WOHNUNG, das sind Sicherheit, Vertrauen, Heimat..

Und wenn etwas erst einmal Heimat geworden ist, fällt der Abschied schwer.

Die AWO hat täglich mit Menschen zu tun, die sich von ihrer Wohnung aus 
gesundheitlichen Gründen verabschieden müssen. Oftmals akzeptieren 
Betroffene diesen Schritt, weil sie wissen, dass sie sich nicht mehr selbst ver-
sorgen können.

Doch wie will man Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, vermitteln, 
dass sie sich von ihrer Wohnung nicht aus gesundheitlichen Gründen verab-
schieden müssen, sondern weil sie mit ihrer Rente die ständigen Mieterhö-
hungen nicht mehr stemmen können.

Seniorinnen und Senioren können sich keinen besser bezahlten Job suchen 
oder nach einer Gehaltserhöhung fragen. Ältere Menschen müssen mit ihrer 
Rente auskommen!

Und diese Rente ist zwischen 2007 und 2017 nur um durchschnittlich 22 Pro-
zent gestiegen, während sich die Mieten – allein in Leipzig – um ganze 37 
Prozent erhöht haben! Wenn diese Entwicklung so weiter geht, werden immer 
mehr ältere Menschen aus ihrer Wohnung, ihrer Heimat, finanziell vertrieben 
werden.

Um diese Entwicklung zu stoppen, fordert die AWO schon seit langem unter 
anderem folgende drei Punkte:

1. Mehr Sozialwohnungen.
Es kann nicht sein, dass es in Leipzig momentan nur 305 Sozialwohnungen 
gibt. Bereits in 6 Jahren brauchen wir mehr als 10.000. Bund und Länder 
müssen deshalb endlich stärker und nachhaltiger in den sozialen Wohnungs-
bau investieren. Und die Länder sollen Wohnungsbaumittel nicht mehr zweck-
entfremden dürfen! 
Außerdem sollen bereits bestehende Sozialwohnungen nach Auslaufen der 
Belegungsbindung nicht mehr in normale Wohnungen umgewandelt werden 
dürfen.

2. Mehr barrierefreie Wohnungen. 
Obwohl die Zahl älterer Menschen schon seit Jahren stetig zunimmt, leben nur 
rund 8% der Senioren in altersgerechten Wohnungen.
Bereits bestehende barrierefreie Wohnungen müssen daher mit staatlicher 
finanzieller Unterstützung saniert werden können, aber so, dass sie anschlie-
ßend auch noch für ältere Menschen bezahlbar sind.

3. Quartiersentwicklung fördern,
damit Seniorinnen und Senioren den Weg zur ihrem Bürgeramt, ihrem Senio-
renkaffee, ihrem Supermarkt oder ihrem lokalen Bäcker nicht verlieren.


Freiheit, Gleichheit, Toleranz, Solidarität und Gerechtigkeit. Das sind die
Werte, für die die AWO einsteht. 

Aus unserer Sicht müssen diese Werte auch wieder auf dem Wohnungsmarkt 
gelten, damit Leipzig eine Stadt für alle – auch für ältere Menschen – bleiben 
kann.

Dafür wird sich die Arbeiterwohlfahrt mit aller Kraft einsetzen.

Und wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, dann kommen Sie gern vorbei...

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